Matriarchales Bewusstsein – was ist das?

Über matriarchale Theorien, Historien, Kulturen, Werte etc. erfahren wir in unserer öffentlichen Bildungslandschaft eher wenig. In unseren Geschichtsbüchern kommt es nicht vor – und wenn doch, dann mit einer seit Jahrzehnten falschen De nition von Matriarchaten als Frauenherrschaften. Der öffentliche Bildungskanon wird nicht müde zu betonen, dass es solche Gesellschaften nie gegeben hat. Und wir matriarchale Bildungsreferentinnen und Forscherinnen werden nicht müde dies zu bestätigen und mit einem großen ABER zu versehen. Denn das griechische Wort ‚arche‘ bedeutet nicht nur Herrschaft, sondern vor allem auch „Am Anfang“. Matriarchate als Frauenherrschaften hat es nie gegeben – doch Gesellschaften, die friedlich, egalitär und mutterzentriert sind, die hat es gegeben und es gibt sie auch heute. Am Anfang die Mutter – das ist der Beginn einer anderen Geschichte.

 

Matriarchales Bewusstsein ist das Wissen um eine Lebensform, in der Frauen für ihre regenerativen Fähigkeiten geehrt werden, in der das Wohlergehen von Müttern, Kindern und Alten im Fokus der Gesellschaft stehen, in der Friedfertigkeit und Fürsorglichkeit zentrale Werte für alle Mitglieder einer Gemeinschaft – Frauen und Männer – darstellen, in der es eine ‚symbolische Ordnung der Mutter‘ (im Sinne von Luisa Muraro) gibt. Wir erkennen weltweit in vielen gegenwärtigen egalitären Gesellschaften diese grundlegenden matriarchalen Werte wieder. In unserer westlichen Gesellschaft sprechen wir von matriarchalem Bewusstsein, sobald Ansätze erkennbar sind, für die o.g. Werte einzutreten und ihnen nachhaltig Raum zu geben.

 

Von Matriarchaten sprechen wir, wenn auf der ökonomischen Ebene der Fokus nicht auf der Akkumulation von Gütern, sondern auf der Balance durch Ausgleich liegt. Auf der sozialen Ebene handelt es sich um Klan-Gesellschaften, die den Prinzipien der Matrilinearität und – falls Eheschließung überhaupt vorgesehen ist – der Matrilokalität folgen. Auf der politischen Ebene sind matriarchale Gesellschaften egalitäre – auf Gleichheit beruhende – Konsensgesellschaften. Auf der spirituell-kulturellen Ebene kennen Matriarchate keine religiöse Transzendenz, sondern eine weiblich göttliche Immanenz (den Dingen innewohnend). Es gibt keine Trennung zwischen profan und sakral.

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